Außerhalb der Komfortzone
Black is Deeper in Silence: Ein Spiel mit Verunsicherung und Kontrolle
Black is deeper in silence Kunstraum Tosterglope
Die interaktive Installation Black is Deeper in Silence verbindet Musik, Performance und gesellschaftliche Reflexion auf eindringliche Weise. Geschaffen von Anna Lamberti, André H. Bernhard und Nina Heinzel, erforscht im Kunstraum Tosterglope das Werk, wie Menschen mit Stille, Ungewissheit und Kontrolle umgehen.
Die Vernissage begann mit einem scheinbar traditionellen Konzert. Anna Lamberti spielte Johann Sebastian Bachs Partita Nr. 2 – Allemande auf der Bratsche. Das Publikum stand ihr zugewandt, konzentriert auf ihre Musik. Doch das Geschehen nahm bald eine unerwartete Wendung: Nina Heinzel und André H. Bernhard, die unauffällig in der Gruppe der Zuhörenden standen, bewegten sich wie zufällig zum Fenster der Installation und öffneten oder schlossen es.
Jedes Öffnen des Fensters führte dazu, dass Anna ihr Spiel abrupt unterbrach. Beim Schließen des Fensters setzte sie es fort. Anfangs war dem Publikum unklar, warum die Musik stoppte. Diese Verunsicherung erzeugte ein Spannungsfeld, in dem das Verständnis des Publikums langsam wuchs: Das Fenster und seine Bewegung waren der Auslöser.
Nina Heinzel Ausserhalb der Komfortzone
Sobald die Zusammenhänge klar wurden, wagten einige der Anwesenden, selbst das Fenster zu öffnen oder zu schließen, um ihre Annahmen zu überprüfen. Dieses Eingreifen brachte ein neues Element ins Spiel: Die Unterbrechung durch das Publikum wurde für Anna als Musikerin zu einem unangenehmen Moment, der gleichzeitig den Spannungsbogen zwischen Kontrolle und Unkontrollierbarem verstärkte.
Für den laufenden Betrieb: Eine immersive Kopfhörer-Erfahrung
Da die Performance in der Form der Vernissage nicht ständig wiederholbar war, wurde für den laufenden Betrieb der Ausstellung eine alternative Annäherung geschaffen. Besuchende nahmen auf einem Stuhl gegenüber dem schwarzen Fenster Platz, während sie über Kopfhörer einen 15-minütigen Ausschnitt aus dem Podcast DEATH OF AN ARTIST hörten.
Death of an artist Podcast
Im Podcast wurde die Entwicklung der Beziehung zwischen der feministischen Konzeptkünstlerin Ana Mendieta und ihrem Ehemann, dem Bildhauer Carl Andre, geschildert – bis hin zu ihrem tragischen Tod. Mendieta stürzte 1985 während eines Streits aus dem Fenster der gemeinsamen Wohnung. Carl Andre wurde des Mordes verdächtigt und verhaftet, jedoch mangels Beweisen nie verurteilt.
Besonders eindringlich wurde der Moment, in dem der Podcast über Mendietas Fenstersturz berichtete. Den Zuhörenden wurde bewusst, dass sie sich selbst gegenüber eines Fensters befanden – ein Detail, das das Gehörte plötzlich real und greifbar machte. Die Verbindung zwischen dem Fenster und der Tragödie versetzte die Betrachtenden direkt ins Geschehen und ließ sie die emotionalen und gesellschaftlichen Dimensionen des Themas unmittelbar nachempfinden.
Die Zusammenarbeit: Unterschiedliche Ansätze, ein gemeinsames Werk
Die Entstehung von Black is Deeper in Silence war ein spannendes Experiment, das drei Künstlerinnen aus ganz unterschiedlichen Disziplinen – Bildhauerei, Performance und Musik – zusammenführte. Die Konstellation wurde per Losverfahren bestimmt, sodass die Beteiligten keinen Einfluss auf die Zusammensetzung der Gruppe hatten. Sich als Einzelkünstlerin auf ein solches Projekt einzulassen, erfordert Offenheit und die Bereitschaft, neue Ansätze zu erproben.
Im Fall von Anna Lamberti, André H. Bernhard und Nina Heinzel hat diese Zusammenarbeit hervorragend funktioniert. Trotz ihrer unterschiedlichen Charaktere und Arbeitsweisen ergaben sich schnell Ideen, die sich gegenseitig ergänzten. Der Prozess der Umsetzung war nicht nur eine kreative Herausforderung, sondern auch äußerst reizvoll. Am Ende waren alle drei positiv überrascht, wie komplex und vielschichtig das gemeinsame Werk geworden ist. Die Installation ist ein gelungenes Beispiel dafür, wie unterschiedliche künstlerische Positionen in einem harmonischen Dialog verschmelzen können.
Andre H. Bernhard Nina Heinzel Anna Lemberti